Interview mit Frank Herzig von Schattenmann 12.01.2018

Schattenmann

Am 12.01.2018 spielten Schattenmann bei Hell on Earth in Hamburg in der Markthalle ( zum Konzertbericht und Bildern geht es hier) und Sänger Frank Herzig (Ex Stahlmann) nahm sich die Zeit für ein Interview im Anschluss.

 

Lin: Erst einmal ganz vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit nimmst.

Eine ganz Klischeehafte Frage zu Beginn: Das neue Jahr hat ja grade angefangen, gibt es etwas, was ihr euch als Band für 2018 wünscht?

 

Frank Herzig: Wir wünschen uns, das die Tour mit Megaherz gut läuft und der Release unseres Albums reibungslos läuft und erfolgreich ist.

 

Lin: Wo wir schon bei eurer neuen Platte sind, magst du da etwas zu erzählen?

 

Frank Herzig: Klar, was möchtest du denn wissen?

 

Lin: Was und wer hat euch für euer Album beeinflusst?

 

Frank Herzig: Unser Debutalbum heißt „Licht An“ und dreht sich in erster Linie um das Thema ‚Schattenmann‘

Der Schattenmann fördert das im verborgenen zu Tage, und das machen wir auch auf dem Album.

Wir zeigen viele musikalische Facetten, und lassen auch keine Tabuthemen aus, es ist also kein Mottoalbum im klassischen Sinne, sondern mehr eine Sammlung von Themen, die uns bewegen, in Musik verpackt.

 

Lin: Der Begriff „Schattenmann“ hat verschiedene Bedeutungen, welche ist es für dich persönlich?

 

Frank Herzig: Für mich ist ein Schattenmann ein verborgener Teil, der in jedem von uns ruht.

Es geht um die verschiedenen Facetten, die ein Mensch hat, und so ist der Schattenmann auch eine verborgene Seite in mir, die durch die Musik zum Vorschein kommt.

 

Lin: Unterscheidet sich die Musik, die ihr macht, von der, die ihr privat hört?

 

Frank Herzig: Also ich höre sehr viel Musik, und die ist auch wahnsinnig breit gefächert und ich höre mir auch gern neue Sachen an.

Generell mag ich gitarrenlastige Musik und höre die einschlägigen NDH-Bands.

 

Lin: Dann ist es für dich wahrscheinlich schwer zu sagen, welche Band deine Lieblingsband ist, oder?

 

Frank Herzig: Ja, die gibt es tatsächlich so nicht. Es gibt so ein paar Bands, auf die stehe ich echt total, aber das variiert dann auch von Tag zu Tag.

 

Lin: Was macht ihr in eurer Freizeit?

 

Frank Herzig: Drei von uns arbeiten als Musiklehrer, also ist auch da Musik immer präsent.

Für uns ist Musik Leben, Hobby, Freizeit und Beruf in einem,und es bleibt kaum Zeit für etwas anderes. Ich für meinen Teil habe gar nicht das Verlangen, noch irgendetwas anderes zu tun.

Aber wenn ich doch mal etwas anderes mache, gehe ich Motorrad fahren im Sommer, das ist mein Ausgleich, ansonsten: Musik, Musik, Musik.

 

Lin: Gab es mal einen anderen Berufswunsch, als du klein warst?

 

Frank Herzig: Nein, es war, seit ich denken kann, immer schon Musiker.

Irgendwann als kleiner Steppke hat mich dieser Virus ‚Musik‘ gepackt und seither verfolgt es mich und lässt mich nicht mehr los, wofür ich auch sehr dankbar bin.

 

Lin: Klar, auf jeden Fall! Wenn man was gefunden hat, was einen so ausfüllt, was einen so glücklich macht, dann sollte man ja auch dabei bleiben.

Wie ist es, wenn ihr als Band unterwegs seid, geht ihr euch gegenseitig auf die Nerven?

Gibt es da bei euch Konfliktpotential?

 

Frank Herzig: Das klingt jetzt wahrscheinlich total doof, wenn ich sage ‚Nee‘, aber tatsächlich haben wir da nichts, was Konfliktpotential hätte, weil wir es gar nicht erst zu einem Konflikt kommen lassen.

Wir kennen uns einfach schon sehr lange und wissen, wie der andere tickt, und können dementsprechend potentielle Konflikte klären, bevor sie entstehen.

 

Lin: Habt ihr Bandmitglieder gecastet?

 

Frank Herzig: Nein, Nils ist zwar neu dazugekommen, doch es gab kein Casting, und der Rest der Band kennt sich schon seit Jahren.

 

Lin: Wie ist das vor Auftritten, habt ihr als Band ein Ritual?

 

Frank Herzig: Wir haben ein total witziges Ritual, aber das ist dann doch was, was hinter den Kulissen bleibt.

 

Lin: Wo seht ihr euch in 5 Jahren? Oder in 3, wenn 5 zu weit hin ist? Was wollt ihr in der nächsten Zeit erreichen?

 

Frank Herzig: Wunschdenken oder realistisch?

 

Lin: Beides gern. Wenn ihr euch was wünschen könntet, was wäre das?

 

Frank Herzig: Eine eigene Tour, ein schönes Album.. Das wäre toll!

Es muss keine besonders große Tour sein. Die Tatsache, dass wir gemeinsam los ziehen und unsere Musik machen und damit die Menschen erreichen ist genug.

 

Lin: Das knüpft schon an meine nächste Frage an, was ist für dich wichtiger, das ihr euer Ding machen könnt, oder finanziell total erfolgreich zu sein?

 

Frank Herzig: Würde ich Dinge aus rein finanziellen Interessen machen, dann wäre ich nicht Musiker geworden, tut mir leid.

Aber ich liebe das, was ich tue und ich mache es aus Überzeugung.

 

Lin: Das ist total schön, und das merkt man euch auf der Bühne auch an.

Ich hab eine Frage zu eurer Show: Ihr habt das Schwarzlicht-Make-up, wie seid ihr auf die Idee dafür gekommen?

 

Frank Herzig: Die ganze Show spiegelt den verborgenen Teil in uns selbst wieder, den Schattenmann, der zwischen der Licht- und der Schattengestalt wechselt.

 

Lin: Eine Meta-Ebene in der Lightshow also.

Eure Musik wird ja als Neue Deutsche Härte 2.0 beschrieben.

Magst du mal den Unterschied zwischen NDH und NDH 2.0 erklären für die, die das Konzert nicht hören konnten?

 

Frank Herzig: Für mich ist NDH  maschinelle, Drum- und Gitarrenlastige Musik mit tiefem, brummenden Gesang und typischerweise 1-Wort-Refrains.

NDH 2.0 ist das in gewisser Weise auch, aber mit moderneren Synthesizern verpackt, elektronischer und tanzbarer, mit melodiösen Hooklines.

Es ist eine Kreuzung verschiedener Genres, es treffen Melodien auf brettharte Klampfen, ein Mix aus verschieden Welten.

 

Lin:  Ein Stück, du hattest es vorhin auch schonmal erwähnt, hat mich beim hören sehr irritiert und zwar „Generation Sex“. Was genau wollt ihr damit sagen?

 

Frank Herzig: Was hat dich denn so irritiert? Fragen wir mal so, vielleicht kann ich es dir dann besser erklären.

 

Lin: In den anderen Stücken kommt ihr sanfter, tiefgründiger und vorallem weniger plump rüber, und Generation Sex ist doch sehr.. Direkt.

Warum so ein krasser stilistischer Break? Die anderen Stücke harmonieren textlich mehr und sind mehr wie aus einem Guss. 

Wie kam es dann zu diesem Stück?

 

Frank Herzig: Der Song ist genauso Schattenmann wie jeder andere auch, er schockiert nur einfach ein bisschen, weil wir Worte benutzen, die wir in unseren Songs bis Dato nicht benutzt haben.

Der Song ist völlig überzogen und es geht um unsere Gesellschaft, die immer höher, schneller, weiter, härter, tiefer will.

Und wie willst du ein Streben nach Superlativen anders darstellen als durch die Gewalt der Worte?

Wenn man sich jeden Song für sich anschaut merkt man, dass die Platte wahnsinnig weit gefächert ist und dass es wirklich mehr als nur NDH ist.

 

Lin: Du hast ja früher bei Stahlmann gespielt, warum hast du nicht da deine Ideen für Schattenmann mit eingearbeitet? Also warum ein neues Projekt, eine neue Band?

 

Frank Herzig: Du meinst einen „Stahlschattenmann“?

Ich bin vor 3 Jahren zu Stahlmann gekommen und da war die Band schon klar definiert, und ich hatte nie das Gefühl, dass es gut täte, aus Stahlmann einen Stahlschattenmann zu machen, da würde ja eine Band verloren gehen.

Und genau daraus entstand die Idee, in eigenes Projekt zu starten, und das ist dann Schattenmann geworden.

 

Lin: Eine ganz andere Frage: Was war für Dich dein schönstes Konzert?

 

Frank Herzig: Das geilste Konzert gibt es nicht. Es gibt tolle Konzerte und es gibt viele Highlights.

Es gibt viele tolle Momente und oft ist es grade das, was zwischen den Musikern auf der Bühne passiert, was einen Auftritt besonders macht.

 

Lin: Gibt es für dich einen Wunschkünstler, mit dem du mal auf der Bühne stehen willst?

 

Frank Herzig: Da gibt es tatsächlich genauso viel, wie ich selber Musik höre. Das nimmt kein Ende und hat auch keinen Anfang.

 

 Lin: Dann kommen wir jetzt auch zur letzten Frage: Gibt es etwas, was du gern den Leuten da draußen sagen möchtest?

 

Frank Herzig: Macht euer Ding, zieht es durch, lebt euer Leben, genießt es, macht einfach, denkt nicht drüber nach, fühlt euch wohl.

Das möchte ich den Leuten gerne mitgeben.

 

Lin: Das ist ein sehr schönes Schlusswort. Ich danke Dir recht herzlich für deine Zeit, für das schöne Konzert und hoffe, wir sehen uns dann im März wieder. Gute Besserung und kommt gut nach Hause!

 

Frank Herzig: Dankeschön, das werden wir.